Marion Romberg

KunstHISTORIKERIN – von der Dorfkirche zu Bildern der Kaiserinnen in der Frühen Neuzeit: Bildquellen als historische Quellen

Die Diarien und Tagzettel des Kardinals Ernst Adalbert von Harrach (1598–1667)

Cover der siebenhändigen Edition

Während ich meine Diplomarbeit schrieb, arbeitete ich im FWF-Projekt “Die Diarien und Tagzettel von Kardinal Ernst Adalbert von Harrach (1598–1667)”. Das Projekt lief von 2005 bis 2009 unter Leitung von Prof. Thomas Winkelbauer. Projektverantwortliche waren Katrin Keller und Alessandro Catalano, die die 54 überlieferten Jahrgänge der auf deutsch und italienisch verfassten Tagzettel transkribierten.

Abstrakt von der Projektwebsite:
In der historischen Forschung lässt sich europaweit in den letzten Jahren ein verstärkter Trend zur kulturhistorischen Erweiterung von Fragestellungen auch in traditionellen Forschungsbereichen erkennen. In diesem Kontext werden neue Quellengruppen erschlossen und bekannte Materialien neu gelesen. An prominenter Stelle sind hierbei Selbstzeugnisse zu nennen: Briefe, Chroniken, Autobiographien, Tagebücher etc. Ziel des Projektes war es, eine solche Quelle, die Diarien und Tagzettel des Kardinal-Erzbischofs von Prag Ernst Adalbert von Harrach (1598-1667), der internationalen Forschung durch eine Edition zugänglich zu machen. 
Die 54 überlieferten Jahrgänge der 
Diarien in italienischer und Tagzetteln in deutscher Sprache stellen nicht nur eine erstrangige Quelle zur Geschichte der Habsburgermonarchie gerade für die schlecht dokumentierten Regierungszeiten Ferdinands II. und Ferdinands III. dar. In ihrem Umfang, ihrer inhaltlichen Differenziertheit und ihrer Aussagekraft sind die Texte Quellen, deren Bedeutung den mitteleuropäischen Raum weit überschreitet. Sie dokumentieren weit mehr als den Lebensweg und die Lebensräume eines Adligen; sie machen ein System des Informationsaustausches innerhalb adliger Familien- und Freundschaftskreise sichtbar, das sich im Bezugsfeld Wien – Prag – Rom im 17. Jahrhundert etabliert hatte. Der Kardinal stellte eine Schnittstelle, einen Vermittler innerhalb dieses Bezugsfeldes dar. Somit sind seine Diarien und Tagzettel nicht nur Dokumente, die Handlungsfelder einer Person in ihrem Amt, im familiären Kontext oder im Rahmen der adligen Gesellschaft der habsburgischen Erblande erkennbar und beschreibbar machen. In den Niederschriften Kardinal Ernst Adalberts von Harrach verbinden sich europäische Politik und Entwicklungen in den habsburgischen Erblanden, kulturelle Einflüsse aus Italien mit solchen aus Mitteleuropa ebenso wie Gegenreformation und Pietas Austriaca. 
Kennzeichnend für die Tagebücher und Tagzettel ist insbesondere ihre inhaltliche Vieldimensionalität, die sie zu Quellen für zahlreiche Forschungsfelder und historisch arbeitende Fächer macht. Germanistisch-sprachwissenschaftliche Arbeiten erhalten hier ebenso umfangreiches Material wie romanistische Studien – 27 Jahrgänge sind in italienischer Sprache verfasst. Kunstgeschichte, Theatergeschichte, Musikgeschichte sind ebenso zu nennen wie Medizingeschichte, Volkskunde oder historische Klimaforschung. Das Vorhaben stellt nicht nur der Forschung umfangreiche und inhaltlich sehr differenzierte Quellen zur Verfügung. Der Kommentarband dient zugleich der historischen Einordnung des umfangreichen Corpus und zeigt mögliche inhaltliche Auswertungsrichtungen auf.

Ende 2007 wurde mir die Aufgabe übertragen, das Personen- und Ortsregister zu dem umfangreichen Selbstzeugnis zu erstellen. Im Verlauf von zwei Jahren habe ich gemeinsam mit Katrin Keller an die 8.000 Personen und 3.000 Orte identifiziert und im Register eingearbeitet. Resultat ist eine siebenhändige Edition, die 2010 bei Böhlau herausgekommen ist. Das Layout der 5.844 Seiten umfassenden Edition wurde von mir angefertigt. Ebenso zeichne ich für das Kapitel zu “Die Reisen des Kardinals: Itinerar (1630-1667)” im Kommentarband (S. 89–109, siehe Google Books) verantwortlich.

Einzigartig wurde das Register auch als ein sog. “lebendes” Register mit der Hoffnung auf etwaige Ergänzungen online gestellt:
– Personenregister: https://www.univie.ac.at/Geschichte/Harrach/php/
– Ortsregister: coming soon!

Ich habe Frau Romberg in der Zeit der gemeinsamen Projekte als ein außergewöhnlich motiviertes und loyales Teammitglied und als sehr engagierte Persönlichkeit erlebt.

aus dem Arbeitszeugnis von PD Dr. KATRIN KELLER, Wien, 23.6.2015

Gemeinsam mit Katrin Keller publizierte ich folgenden Artikel:

The Tagzettel and Diaries of Cardinal Ernst Adalbert von Harrach: A Source for Central European History of the Seventeenth Century, in: The Medieval History Journal, 13, 2/2010, 287–314 (Abstrakt und PDF zum Download auf Academia.edu)

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