Marion Romberg

KunstHISTORIKERIN – von der Dorfkirche zu Bildern der Kaiserinnen in der Frühen Neuzeit: Bildquellen als historische Quellen

Europäischer Dreiklang

Gemeinsam mit Christoph Gnant, Josef Köstlbauer, Birgit Nagy-Glaser, Martina Steer und Philipp Ther organisierte ich 2016 das Symposium „Europäischer Dreiklang“. Es fand im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Historisch-Kulturwissenschaftliche Europawissenschaften“ am 8. April 2016 statt. Aus dem Endbericht, verfasst von mir und Martina Steer:
Von 13 bis 18 Uhr fanden sich in der Aula am Campus der Universität Wien ca. 80 Zuhörer und Zuhörerinnen ein, die über Aussendungen (u.a. H-Soz-Kult), über den Veranstaltungskalender der Universität Wien sowie mündliche Einladung von der Veranstaltung erfahren hatten.

Die Eröffnung des Symposiums erfolgte durch den Leiter des FSP Philipp Ther und dem Leiter des Instituts für Geschichte der Universität Wien Andreas Schwarcz. In das Thema des Symposiums führte Martina Steer ein. Sie bot einen Überblick über das weitgefächerte Oeuvre von Wolfgang Schmale, frühneuzeitliche Geschichte, französische Geschichte, die Geschichte der Menschenrechte, Kulturtransfer, Geschichte der Männlichkeit, europäische Geschichte und nicht zuletzt die Entwicklung der digital Humanities und erläuterte, dass gerade die aktuelle kritische Situation Europas einen Fokus auf der europäischen Geschichte unabdingbar machen würde. Als Ausgangspunkt nahm sie Wolfgang Schmales Reisetagebuch „Mein Europa“ und sein Europa-Blog. In beiden habe er sich befreit von den engen Konventionen geschichtswissenschaftlichen Arbeitens und Europa und der europäischen Geschichte andere Facetten abgewonnen. Das Symposium wolle diesem „interdisziplinären“ Zugang Rechnung tragen. 

Das Wort übergab sie an die deutsche Historikerin Claudia Opitz-Belakhal von der Universität Basel. Sie bezog sich dabei auf Wolfgang Schmales Arbeit über die Geschichte der Männlichkeit in Europa, in der er die großen Entwicklungslinien eines europäischen hegemonialen Männlichkeitsmodell seit der frühen Neuzeit aufzeigte. In ihrem Vortrag fragte Prof. Opitz kritisch, ob es eine Geschichte der Krisen gewesen sei. Sie differenzierte die Frage nach dem Nutzen des Krisenkonzepts, beantworte sie insgesamt aber positiv. Gegenüber gesellschaftlichen Umbrüchen sei der im Anschluss an Koselleck benützte Begriff Krise tendenziell offener und vielschichtiger und gut geeignet, Dynamiken von symbolischen Geschlechterordnungen und sozialen Beziehungen von Geschlechtern zu fassen. Dies erläuterte sie anhand von Beispielen aus der europäischen Geschichte. Es schloss sich eine lebhafte Diskussion an.

In der zweiten Hälfte des Symposiums nach der Kaffeepause, in der das Publikum die Gelegenheit hatten an einem Büchertische Werke der Europaforschung zu studieren, sprach der polnische Geschichtswissenschaftler Wlodzimierz Borodziej von der Universität Warschau. In seiner Funktion als Präsident des wissenschaftlichen Beirates des Hauses der Europäischen Geschichte (HEH) in Brüssel gab er einen eindrucksvollen Überblick in die Herausforderungen, Probleme und Chancen, die mit solch einem Projekt einhergehen. Das HEH geht auf einen Beschluss des europäischen Parlaments 2007 zurück und steht jetzt kurz vor seiner Eröffnung. 

Das Thema der musealen Repräsentation europäischer Geschichte und ihrer identitätsstiftenden Funktion fiel im Publikum erwartungsgemäß auf großes Interesse. Welche Aussagekraft haben diese fast  allgemeingültigen musealen Mechanismen des Sammelns, des Verwahrens, der Inszenierung und des Betrachtens für ein Haus der europäischen Geschichte? Was passiert, wenn die europäische Geschichte, ja Europa und seine Inhalte nicht mehr Diskurse sind, sondern feste Ausstellungsobjekt, die sich nicht mehr verändern? Es war kaum Zeit genug, dass Prof. Borodziej alle Fragen beantworten konnte. 

Auch die Schwester der Geschichte, die Literatur, wurde in das Symposium mit einbezogen. Der Schriftsteller Ingo Schulze las aus seinem Werk „Orangen und Engel. Italienische Skizzen.“ Ihm gelang das Kunststück, die Gegenwart in seine Erzählungen zu holen, ohne die Geschichte zu verraten. Ruhig, staunend und offen für die Präsenz und die Schönheit des Vergangenen ließ er seinen Protagonisten durch eine europäische Kulturlandschaft par excellence streifen. Die Hauptfigur konnte über Thukydides‘ “Geschichte des Peleponnesischen Krieges” dozieren, so wie sie überhaupt vieles über Kunstwerke, Tempel und Geschichte wusste. Aber es gelang ihr nicht, die Kommunikation der aus Afrika kommenden Männer zu entschlüsseln, die im supermercato Tüten packten und zum parkenden Auto trugen. Immer wieder brach sich der romantische auf die Vergangenheit gerichtete Blick des Reisenden mit der Realität der Gegenwart. 

An die Lesung schloss sich eine angeregte Diskussion zwischen Wolfgang Schmale und den Vortragenden, sowie dem Publikum an, in der noch einmal die Notwendigkeit der intellektuellen Intervention von Geschichts- und Kulturwissenschaftlern gerade in Zeiten gesellschaftspolitischer Krisen und Umbrüche betont wurde.

Das Tagungsprogramm findet sich auch online auf H-Soz-Kult publiziert::

Europäischer Dreiklang, 08.04.2016 Wien, in: H-Soz-Kult, 10.03.2016, <www.hsozkult.de/event/id/termine-30458>.

Beitragsbild: Ausschnitt aus der Darstellung der neun Chöre der Engel auf einer griechischen Ikone. Quelle: Wikipedia.

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