Marion Romberg

KunstHISTORIKERIN – von der Dorfkirche zu Bildern der Kaiserinnen in der Frühen Neuzeit: Bildquellen als historische Quellen

Joint Seminar – Kyoto 2019

Das interdisziplinär ausgerichtete Joint Seminar “Japan and the Ottoman Empire in the Eye of the European Beholder – A Comparison” vergleicht erstmals die Wahrnehmungen von Japan und dem Osmanischen Reich im Heiligen Römischen Reich miteinander. Hierzu treffen sich an der Universität Kyoto vom 31. Mai bis zum 3. Juni 2019 an insgesamt drei Workshop-Tage mit fünf themenspezifischen Panels, einer Exkursion und drei Diskussionsrunden ein Gruppe von Forscherinnen und Forscher aus Japan und Europa. 

Die vorliegende Forschungssituation stellt sich ebenso divers dar wie die im Fokus stehenden Regionen: Frühneuzeitliche Wahrnehmungen von dem Osmanischen Reich und Japan im Heiligen Römischen Reich, sowie deren Wandel sind in Japan nach wie vor absolute Nischenthemen. Im deutschsprachigen Raum sind Forschungen hierzu lange etabliert und werden zunehmend erschlossen, dies betrifft jedoch vor allem das Osmanische Reich. Hierbei werden vermehrt systematische Untersuchungen angestellt und neue Methoden entwickelt, die insbesondere die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung und Digital Humanities nutzen: FWF-Projekte „The Mediality of Diplomatic Communication: Habsburg Envoys in Constantinople in the middle of the 17th Century“, (2017–2021, Salzburg/Graz), „Perceptions of the Other in Travelogues 1500–1875 – A Computerized Analysis”, (2018–2021, Wien), „Erdteilallegorien im Barockzeitalter“ (2012–2016, Wien). 

Während Wahrnehmungen des Osmanischen Reichs also zunehmend untersucht werden, sind jene von Japan bisher kaum erschlossen. Das hiesige Interesse ist rezenter Art und erste Ergebnisse liegen in Einzelstudien vor. Der Schwerpunkt der wenigen Forschungen, die die Beziehungen zwischen dem frühneuzeitlichen Japan und Europa behandeln, liegt auf derMissionsarbeit des Jesuitenordens im 16./17. Jahrhundert und auf das Wirken der Europäer im Gefolge der Niederländischen Ostindischen Kompanie im 17. und 18. Jahrhundert in Japan. Das gerade laufende Joint Projekt „Japan on the Jesuit Stage: German-Speaking Areas and Beyond” (2017–2019) zeigt zum einen den Mehrwert solcher internationalen Projekte, andererseits aber auch deren Notwendigkeit. 

Im Rahmen des JS soll nun die vielfältige Materialbasis dieser Projekte, die von diplomatischer Korrespondenz über Reisebericht bis hin zu bildlichen, plastischer und szenischen Quellen reicht, im Hinblick der artikulierten Wahrnehmungen des Osmanischen Reiches und Japans vergleichend präsentiert werden. Durch deren systematische und vergleichende Untersuchung werden die Mechanismen von Fremdwahrnehmungen und -darstellungen im Heiligen Römischen Reich viel deutlicher als bisher analysiert werden können, was schlussendlich das Ziel des neu konzipierten Projektes darstellt. Dessen Ausgangspunkt muss jedoch eine Zusammenschau der vorliegenden Forschungen bilden. Letztlich ermöglicht das Joint Seminar sowohl eine Vertiefung wissenschaftlicher Kooperationen zwischen Japan und Österreich als auch eine Weiterentwicklung der Methoden und Ergebnisse eines jeden der elf TeilnehmerInnen. Nicht zuletzt liegt die Bedeutung des Seminars auch in den Herausforderungen von heute. Jeder von uns ist aufgrund weltweiter Phänomene wie Globalisierung und internationaler Migration ständig mit Andersartigkeit konfrontiert. Die Analyse der Behandlung von Andersheit in der Vergangenheit schafft historisches Orientierungswissen für heute und morgen.

Mein Beitrag: The “East” in South German parish churches in the 18thcentury – Abstract:

Ausschnitt aus dem Chorfresko von Johann Baptist Enderle Verherrlichung der Eucharistie durch die vier Erdteile (links außen Asia) in der Kirche St. Stephan in Kirchdorf von 1754.

Authors like Larry Wolff, Ivan Parvev or Edward Said used to answer the question how people imagined the East by using sources commonly produced for the social elite. The question consequently up until now not answered is how the people living in the rural area imagined the East? What sources are available to us in order to be able to examine their imagination of the East at all? The search for pictorial sources is obvious, since image-based argumentative structures played an important role in early modern times. They were part of a presentation, authentication, and authorization process of knowledge, which spread knowledge, discourses, and formed mentalities. Within rural communities the perception of otherness was influenced mainly by the circulating world of flyers and by the ever-present pictorial world of the parish church. Starting around 1700 the iconography of the four continents became part of the latter’s Baroque decoration. Dating back to the 16thcentury, the continent allegories expanded from monasteries and palaces to parish churches. Focusing on the personification of Asia in South German parish churches this paper aims to illustrate how its fast dissemination and its presence in a place where all people regularly went to defined the image of the East in people’s mind and hence, created a consciousness of the East? 

Ausschnitt aus dem Chorfresko von Franz Martin Kuen Verherrlichung der Eucharistie durch die vier Erdteile (links außen Asia) in der Kirche St. Michael in Fischach von 1753
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