Marion Romberg

KunstHISTORIKERIN – von der Dorfkirche zu Bildern der Kaiserinnen in der Frühen Neuzeit: Bildquellen als historische Quellen

Das öffentliche Bild der Kaiserinnen (1611–1742)

Eleonore Magdalena von Pfalz-Neuburg und Leopold I. als Sieger über die Türken (Wien Museum, 163.635)

Im November 2016 habe ich im Rahmen eines Werkvertrags die Presseberichterstattung über die Kaiserinnen in den digitalisierten Zeitungen der Bremer Sammlung untersucht. Die Ergebnisse sind in der Projektdatenbank veröffentlicht. Seit Juni 2017 untersuche ich nun die zeremonielle und herrschaftliche Position der Kaiserin in ihrer intermedialen Ausgestaltung und Rezeption in zeitgenössischen Bildquellen des neuzeitlichen Reiches. Es handelt sich hierbei um ein Teilprojekt des FWF-Projektes

Kaiserin und Reich. Zeremoniell, Medien und Reich von 1550 bis 1740/1742

unter Leitung von Dr. Katrin Keller am Institut für Neuzeit und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Im Rahmen dieses Teilprojektes soll erstmals eine systematische Erfassung bildlicher Darstellungen der Kaiserinnen erfolgen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den Kaiserinnen des 17. Jahrhunderts bzw. des 18. Jahrhunderts, da im 16. Jahrhundert keine einzige Kaiserinnenkrönung – als mögliches Medienereignis – stattgefunden hat. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann sich zudem ein struktureller Wandel in der Repräsentation von fürstlicher Herrschaft und Kaisertum und deren medialer Vermittlung abzuzeichnen. Die Bedeutung von Druckmedien als Verbreitungsmedien höfischer Repräsentation nahm zu und somit das mediale Echo.

Der Blick wird somit auf bildliche Darstellungen wie Medaillen, Kupferstiche und Gemälde, Skulpturen und Reliefs gerichtet. Durch eine systematische Erfassung und Analyse der bildlichen Darstellung wird die Grundlage geschaffen werden, am Ende aufgrund eines geschlechtergeschichtlichen Vergleichs der Darstellungskonventionen, die Rolle und den Stellenwert der Kaiserin innerhalb der Öffentlichkeit besser bewerten zu können. Nicht zuletzt ist dabei grundsätzlich nach neuen Handlungsräumen durch die Medialisierung der Kaiserinnen zu fragen wie auch die Veränderungen in der Herrschaftsrepräsentation durch die wachsende Differenzierung des „Mediensystems“ des Reichs. 

Hierbei gilt es stets dreierlei zu bedenken: die bildliche Darstellung als historische Quelle mit eigenem Quellenwert, deren intermediale Analyse und schließlich die Relevanz des Kunstwerks selber. Notwendig ist also eine interdisziplinäre Herangehensweise unter Verwendung geschichtswissenschaftlicher und kunsthistorischer Methoden, die es erlauben wird, einen Beitrag zur Verfahrens- und Symbolgeschichte des Reiches zu leisten. 

Die Recherche erfolgt breit angelegt und setzt u.a. stark auf die Kooperation mit musealen Einrichtung, Bibliotheken sowie auf ein wissenschaftliches Netzwerk. Die Sammlungen des Kunsthistorischen Museums sind Ausgangspunkt der Erfassung von Gemälden, Kunstkammerstücken und Medaillen. Dabei liegt zwar der Fokus auf den Kaiserinnen des 17. und 18. Jahrhunderts, es sollen aber in Hinblick auf die Analyse von Darstellungstraditionen sowie die Erfassung aller Lebensstation auch bildliche Darstellungen früherer Kaiserinnen Berücksichtigung finden.

Leitpunkte der Recherche

  • Nicht nur rein bildliche Darstellungen sondern ebenfalls intermediale Repräsentationender Kaiserinnen sind von Interesse.
  • Bislang konnten 5 Bildtypenunterschieden werden – (1) Einzelportraits; (2) Ereignisbilder; (3) Familienbilder; (4) Allegorische Portraits; (5) Herrschaftspaar–, in denen die Kaiserinnen auftreten. Bei der Recherche sind hier unterschiedliche Suchstrategien anzuwenden, siehe hierzu ausführlich nächster Punkt „Das Problem der Erfassung“.
  • Für die Analyse der gefundenen Bilder sind die Kenntnis der Darstellungstraditionund Vorbilderunerlässlich. Aus diesem Grund sollen auch Bilder von Kaiserinnen und Königinnen außerhalb des unmittelbaren Betrachtungszeitraums recherchiert werden. 
  • Für die Untersuchung der Rezeption, Dissemination und Bearbeitung von Datierungs- und Zuschreibungsproblemen ist auch die Erfassung der Kopienunerlässlich  
  • Von Interessen sind für das Projekt nicht nur alle Bilder aus dem Lebensabschnitt als Kaiserin, sondern alle Lebensstationen der Kaiserinnenvon Geburt bis zur ihrem Tod sollen recherchiert werden. 

Das Ergebnis wird in Rahmen zweier Aufsätze sowie die Datengrundlage in der o.g. Projektdatenbank veröffentlicht. Letztere wurde von mir aufgesetzt und betreut. Sie ist unter https://kaiserinnen.oeaw.ac.at erreichbar.

Darüber hinaus führt Katrin Keller seit 2016 einen wissenschaftlichen Blog, in dem sie monatlich verschiedene Fragen rund um die Kaiserinnen nachgeht: https://kaiserin.hypotheses.org

Beitragsbild: Eleonore Magdalena von Pfalz-Neuburg und Leopold I. als Sieger über die Türken (Wien Museum, 163.635)

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